Wie Eulenspiegel zu Erfurt einem Esel das Lesen lehrte

Die  Geschichte von Till Eulenspiegel „wie Till Eulenspiegel einem Esel das Lesen lehrte“ hat mich zu meinem neuen Werk inspiriert:

Lesen lehren.... - Acryl auf LW, 80 x 100 cm, © Anja Huehn 2013

Lesen lehren…. – Acryl auf LW, 80 x 100 cm, © Anja Huehn 2013

 
Die Geschichte:
Wie Eulenspiegel zu Erfurt einem Esel das Lesen lehrte
das Lesen lehrteEines Tages zog es Eulenspiegel von Prag nach Erfurt. In Prag hatte er sich mit den Universitätsprofessoren angelegt und ihre hinterhältigen Wissensfragen mit List und Tricks beantwortet. Auch Erfurt hatte eine berühmte Universität. Dort heftete er eine Bekanntmachung an das Hauptportal, auf der stand, dass er jeder Kreatur das Lesen beibringen könnte.
Natürlich hatten die hohen Herren schon von Eulenspiegels List gehört und so beratschlagten sie aufgeregt, wie sie diesem eingebildeten Narren eine Lehre erteilen könnten.
Am nächsten Morgen erschienen sie bei Till und fragten ihn, ob er auch einem Esel das Lesen beibringen könnte. Eulenspiegel entgegnete: „Natürlich kann ich das. Allerdings dauert es eine gewisse Zeit, denn Ihr Herren wisst ja, dass gerade der Esel ein besonders unvernünftiges Tier ist.“
Die Professoren waren einverstanden und gewährten ihm eine Zeit von zwanzig Jahren. Zu ihrer Verwunderung antwortete Till Eulenspiegel, dass ihm drei Jahre genügten. Man versprach ihm eine große Summe Taler und dazu noch einige Goldstücke, denn man war sich sicher, dass ein Esel niemals das Lesen lernen würde.
Eulenspiegel führte den Esel an einem Strick zum Stall einer Herberge, deren Wirt sich auch gleich bereit erklärte, die beiden aufzunehmen. Dort begann er mit seinen Lektionen. Zuvor hatte er sich ein altes Buch besorgt, das er aufgeschlagen in die Futterkrippe legte. Zwischen die Seiten streute er Haferkörner. Der hungrige Esel machte sich sofort an die Futtersuche, stupste mit seinem Maul die Seiten hin und her und ließ sich die Haferkörner schmecken. Als er nun keine Körner mehr fi nden konnte, beschwerte er sich in seiner ‚Eselssprache’ und rief mehrfach laut: „I-a, I-a!“ Darauf hatte Eulenspiegel nur gewartet. Sofort begab er sich zum Rektor der Universität und fragte ihn: „Herr, wann wollt ihr denn überprüfen, ob der Esel schon etwas gelernt hat?“ Scheinheilig entgegnete der Professor: „Na, ist der Esel denn schon bereit, das Lesen zu lernen?“ Und insgeheim freute er sich schon darauf, wie sich der Narr in aller Öffentlichkeit lächerlich machen würde. „Die Arbeit mit dem Esel fällt mir ausgesprochen schwer. Schließlich ist er
kein besonders intelligentes Tier, und es bedarf großer Anstrengungen, ihm überhaupt etwas beizubringen. Doch mit großen Fleiß ist es mir gelungen, ihm schon in dieser kurzen Zeit einige Vokale beizubringen!“

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